Ausstellung in der Schönberger „s|z Galerie“: Kieler Malerin Rosita Sengpiehl bekennt Farbe

Großes Format: Die Malerin Rosita Sengpiehl vor ihrem Quadrychon „Rot – Das ewig Weibliche“ vor wenigen Tagen in der „s|z Galerie“. FOTO: KCH

Schönberg. Allein die schiere Vielfalt von Stil, Technik und Inhalt sei es wert, der Kieler Malerin Rosita Sengpiehl eine als Retrospektive konzipierte Einzelausstellung zu widmen, meint der Galerist Wolf Zepfel.

Nun ist es soweit: In der gemeinsam mit Zepfel in Schönberg-Holm betriebenen „s|z Galerie“ zeigt die Malerin ab Sonntag ihre jüngsten Arbeiten und stellt ihnen eine mit Bedacht kuratierte Auswahl von Arbeiten aus verschiedenen Schaffensperioden der vergangenen 25 Jahre zur Seite.

Das Konzept ist gelungen: Den Galeriebesucher erwartet eine facettenreiche und ästhetisch ansprechende Schau, die spannende Einblicke in die künstlerische Entwicklung der Malerin Rosita Sengpiehl gewährt. Auf den ersten Blick ist es angesichts so vieler unterschiedlicher Techniken und Materialien schwer zu glauben, dass alle gezeigten Werke aus einer Hand stammen. Wer genau hinsieht, entdeckt aber die thematischen und handwerklichen Fäden, die von einer Phase zur nächsten führen und sie miteinander verbinden: Rosita Sengpiehls Nähe zum Informel und zum ausladend Gestischen etwa oder ihr Drang zur experimentellen Materialerprobung.

Zwar malt sie in den frühen 1990er-Jahren noch figurativ, bleibt aber in der Andeutung und kombiniert Konkretes mit Abstraktem. Eine große Rolle für die Künstlerin spielen in jener Zeit frauenpolitische Themen, denen sie verschiedene, mitunter schon jetzt für sie so typische zyklische Arbeiten widmet. In Collagen zeichnet sich zudem Sengpiehls Lust am Materialexperiment ab. Später verlieren sich konkrete Elemente und machen einem verrätselten Zeichensatz aus Buchstaben und archaisch-mythischer Symbolik Platz, den Sengpiehl zu einer eigenen Bildsprache ausbaut und in stetig größer werdenden Formaten inszeniert.

Außerdem stilprägend für Rosita Sengpiehls Bilder werden in den späten 1990er und frühen 2000er-Jahren organische, in ihrer Plastizität die Zweidimensionalität verlassende Bildobjekte. Mit Pigmenten, Sanden, Kohle, Acryl, Papier und kräftiger Farbgebung schafft sie Bilder, die mit tastbarer, schroffer Körperlichkeit Objektcharakter annehmen. Selbstzweck sind sie indes nie, sondern in ihrer reliefartigen Erscheinung stets der Thematik unterworfen. „In dieser Zeit habe ich begonnen, mit verschiedenen Werkzeugen auf den Oberflächen zu arbeiten; ich habe gekratzt, geschliffen und überarbeitet, bis alles stimmte“, sagt Rosita Sengpiehl über diese Werkphase.

Gegen Ende der 2000er-Jahre beginnt sie mit schwungvollen Farbgießungen, die auf Sengpiehls Expressivität und ihre Wurzeln im Informel hindeuten. Zufällig ist an ihnen nichts, sondern Sengpiehl folgt in Inhalt und Gestaltung einem gründlichen Plan, um, wie sie sagt, eine Ästhetik der „geordneten Unordnung“ zu schaffen.

In jüngster Zeit widmet sich Rosita Sengpiehl zunehmend dem expressiven großen Format. Stellvertretend für diese Schaffensphase steht in der Ausstellung das tiefrote, 260×200 cm große Quadrychon „Rot – Das ewig Weibliche“. Die Materialwahl ist mit Pigmenten, Acryl, Seidenpapier, Asche und Sand auf Leinwand charakteristisch, ebenso die Arbeitsweise mit Übermalungen, Schriftzeichen und stilisierten Frauenfiguren. Eine Arbeit, die Spiegel Sengpiehls aufmerksamer gesellschaftskritischer Haltung ist, trägt den Titel „Time“: Geschredderte Seiten aus Printmedien symbolisieren als plastisches Material in diesem dreiteiligen Bildobjekt den aktuellen Zeitbezug der Arbeit.

Rosita Sengpiehl: „Remember“ – Malerei aus 25 Jahren, Ausstellungseröffnung mit Vernissage am Sonntag, 11. Juni, ab 15 Uhr in der „s|z Galerie“ (Ladenzeile am Holmer Marktplatz, Kapellenweg 37, 24217 Schönberg-Holm), zu sehen bis zum 26. August, geöffnet sonnabends, sonntags und dienstags von 15 bis 18 Uhr (im Juli nur dienstags) und nach Vereinbarung. Infos im Netz auf www.rositasengpiehl.de und telefonisch unter 0171/1546997. (kch)