Aus Preetz auf die Weltrangliste

Preetzer Segelleidenschaft: Wind, Wasser und ihre Boote: Die Geschwister Emma und Anton Grigull waren die jüngsten Teilnehmer bei der Segelweltmeisterschaft in Wales. FOTO: SIGNE HOPPE

Preetz. Die Preetzerin Emma Grigull wurde bei der Weltmeisterschaft der International Canoes (IC) im englischen Wales überraschend Vizeweltmeisterin.

Segeln liegt der 23-Jährigen im Blut: „Es ist das schönste Gefühl, wenn das Wasser rauscht, die Gischt spritzt, die Sonne von hinten scheint und sich vor dem Baum ein Regenbogen bildet – das ist Glück pur.“ Die WM, das sei schon eine Nummer, so die 23-Jährige stolz.

Sie war eine von sechs Seglern, die im August für Deutschland an den Start gingen. Dabei waren die Erwartungen niedrig in dem großen Feld der internationalen Konkurrenz aus 58 Seglern aus sechs Nationen. Seit ihrem achten Lebensjahr segelt Emma – angefangen im Opti auf dem Lanker See beim Preetzer Segelclub.

Was für eine Wahnsinnswelle: Emma Grigull segelt in ihrem individuellen Eigenbau „Pink Panther“ zur Vizeweltmeisterschaft der IC Classic One Design. FOTO: ROBERT MÜLLER

Gemeinsam mit Bruder Anton (21) segelte Emma Grigull vier Jahre Taifun, bis beide auf die internationale Klasse IC umgestiegen sind. „Da muss man ganz von vorne anfangen, weil das IC-Segeln so schwierig ist und viel Übung braucht“, erzählt sie über die schnellste Einhand-Segeljolle. Eine Besonderheit ist der Reitbalken, auf dem sich der Segler bis zu zwei Meter aus dem Boot lehnen kann, um Spitzengeschwindigkeiten bis zu 50 Stundenkilometer zu erreichen. „In der Wende wird der Reitbalken von einer Seite auf die andere geschoben, da gilt es nicht nur Segel und Ruder zu kontrollieren.“ Das International Canoe hat sich aus dem klassischen Kanu entwickelt und ist eine der ältesten Konstruktionsklassen der Welt.

 

Die ICs unterliegen keiner Serienfertigung, sondern sind immer individuelle Eigenbauten im Rahmen der Klassenvorschrift. So war die junge Preetzerin mit ihrem „Pink Panther“, einer älteren Form (Classic One Design) unterwegs. Anton segelte mit seinem „Verbandskasten“ die neuere Form, die ihm vom Deutschen Kanuverband zur Verfügung gestellt wurde. Die Preetzer waren schon eine Woche früher zum Trainieren angereist, um sich mit den Besonderheiten des Reviers Irische See vertraut zu machen. „Die Welle war schon eine Herausforderung“, sagt Anton, „das ist was anderes als der Lanker See.“ Neben konstanten Winden mit sehr hohen Wellen waren auch die autoreifengroßen Quallen beeindruckend sowie eine Delfinschule, die die Segler begleitete. Anton segelte direkt vorne mit und erzielte mit Platz 15 einen fantastischen Erfolg im ersten Drittel.

Für Emma war ihre Platzierung eine echte Überraschung. Die älteren Segelkanus werden extra gewertet. „Ich dachte, dass vor mir einige ältere Boote durchs Ziel gekommen waren.“ Als dritte Deutsche landete sie in der Gesamtwertung auf Platz 27. Doch bei der Siegerehrung kam die Überraschung: Da Emma mit einem älteren und schwereren Boot angereist war, wurde sie Vizeweltmeistern in der Classic-Wertung.

hop