Auf Motorrädern durch das Baltikum reisen

Carsten Scheibe war mit den „Kieler Kurvenkratzern“ rund um die Ostsee unterwegs. Nun erzählt er von seiner Reise. TEXT UND FOTOS: CARSTEN SCHEIBE

An jedem Wochenende berichten die Kieler Kurvenkratzer von ihren Ausflügen. Diesen Sonnabend erzählt Carsten Scheibe von einer Tour durch das Baltikum mit acht Bikern und unterschiedlichen Ländern und Kulturen.

„Den Winter über entstand die Idee für die Reise durch das Baltikum, die grobe Route haben wir unter uns aufgeteilt und in Teams Unterkünfte und Sehenswürdigkeiten gesucht“, erklärt Carsten Scheibe den Beginn der Tour. Mit der Fähre ging es an einem Freitagabend schließlich los in Richtung Klaipeda in Litauen, das einen Tag später erreicht wurde. „Dort haben wir schon die ersten regionalen Köstlichkeiten genossen.“ Vor der Weiterfahrt am nächsten Morgen auf die Kuhrische Nehrung nach Nidda, stand zunächst ein Besuch des „Ännchen von Tharau“ auf dem Marktplatz auf dem Programm, bekannt durch den Titel eines volkstümlichen Liedes aus Ostpreußen. Bei hohen Temperaturen und strahlender Sonne lohnte sich auch ein Besuch der großen Wanderdüne.

Heiße Temperaturen

Spannung für die Teilnehmer brachte die russische Grenze zur Oblazst Kaliningrad. „Die Visa wurden schon im Vorweg beantragt“, erklärt Scheibe. „So gab es keine Schwierigkeiten.“ Tatsächlich half eine sehr nette russische Grenzbeamtin bei der Abfertigung der Zollformalitäten und 45 Minuten später waren alle Biker das erste Mal in Russland. Temperaturen bis weit über 35 Grad machten das Motorradfahren schwer, dafür lohnte sich so der erste Abstecher in Svetlogorsk zur großen Sonnenuhr auf der Promenade.

Unbekannte Welten

In der Unterkunft in Kaliningrad (Königsberg) wurden die acht Biker herzlichst begrüßt mit einem zünftigen Abend draußen im Garten des Gästehauses. Morgens weckte die Sonne, und zu Fuß ging es auf den Weg in die Stadt. „Da tauchten wir in eine völlig andere Welt ein, die vielen von uns noch gänzlich unbekannt war.“

Nach dem Tag Ruhe ging es weiter auf dem Weg nach Gumbinnen und Trakehnen und zur Unterkunft Ryn in Polen, wo frühes Aufstehen angesagt war, um weiter zu brummen auf einer Rundfahrt durch Masuren, bei der die Teilnehmer alles auf sich wirken lassen konnten – die wunderschöne Seenplatte, Nationalparks und vieles mehr. „Wenn ich alles auf mich wirken lassen, dann spüre ich, dass unsere schleswig-holsteinische Heimat an der Ostseeküste doch sehr viel Ähnlichkeiten mit dem Landstrich hier oben aufweist.“

Abenteuer und neue Bekanntschaften

Am nächsten Tag fuhren die Biker viele Schotter- und Waldpisten. Trotz trudelnder Motorräder, passierte nichts schlimmes, erschöpft waren die Reisenden trotzdem, als sie am Abend heile wieder zurückkamen.

Internationales Flair und neue Bekanntschaften brachten die nächsten Tage. In Richtung der litauischen Grenze über Nikolaiken trafen die Männer auf einen polnischen Biker, der gerade aus England zurückkam. So kamen sie schließlich bis kurz vor die Grenze. Ein toller Tag mit wunderschönen Eindrücken, der beim Grillen am landschaftlich schön gelegenen Gästehaus und Vollmond zu Ende ging.

Litauen und der geografische Mittelpunkt Europas

Über die grüne Grenze nach Litauen, quälten die Urlauber steinige und sandige Pisten, bevor es zur Inselburg Trakai ging, ein Besucherstop, der sich lohnte. Ziel an diesen Tag war Vilnius, das bei Nacht erkundet wurde.

Den Vormittag wurde noch in Vilnius und im kleinen Freistaat Uzupio genossen, der eine eigene Verfassung in sehr vielen Sprachen an einer langen Mauer abgebildet hat. Dort haben sich viele Künstler niedergelassen, beispielsweise Frank Zappa.

Gegen Mittag trafen sich alle am Geografischen Mittelpunkt in Europa, der außerhalb der Stadt liegt. Dann surrten die Stollen unter den Motorrädern, um die nächsten Abenteuer zu erleben. „Den Abend verbrachten wir direkt am Strom Daugava in einer Blockhütte, ein tolles Feeling. Ein tolle Vollmondnacht.“

Spannende Tage

So glitten die Biker jeden Tag über die Pisten des Baltikums, fuhren nur 500 Meter von der Weißrussischen Grenze vorbei, fuhren nach Estland und fühlten sich doch gleich anders, weil das Land in seiner wirtschaftlichen Situation schon viel weiter ist.

Zurück in Lettland besuchten sie den Gauja Nationalpark mit der Burg Turaida, fuhren weiter nach Riga und blickten vom Hotel aus auf die Skyline von Riga – Sommerwetter, was für ein Genuss. Für die müden Motorradfahrer ging es morgens wieder bis Klaipeda und mit der Fähre wieder nach Kiel.