Anni sucht Freunde

Kiel. Zwei Stunden, ein Gesprächspartner, und die Idee, jede Woche aufs Neue den Sprung ins kalte Wasser zu wagen: Das ist die Radiosendung „Anni sucht Freunde“, die jeden Mittwoch von acht bis zehn Uhr von Campusradio Indiewelle im Livestream ausgestrahlt wird – und an den Mut für mehr Authentizität und Spontanität appelliert.

Die Idee, eine Radiosendung mit einem wöchentlich wechselnden Gast zu gestalten, kam Annika Flug, die Anni genannt wird, im vergangenen Semester, als ihre Freundin aus der gemeinsamen Radiosendung beim Campusradio ausstieg und die Suche nach einem neuen Gesprächspartner begann. „Irgendwie musste es doch möglich sein, jemanden zu finden“, dachte Anni. Wie wär’s also damit, jede Woche neue Gäste einzuladen und gemeinsam mit ihnen zu senden? Nach einer kurzen Namenssuche für die Radiosendung stand das Konzept: Der Gast speichert ca. 20 Lieder auf einem USB-Stick, die während der Sendung abgespielt werden, kommt zu Anni in das Studio des Campusradios Indiewelle, das sich im Gebäude der Mensa 1 befindet, und live auf Sendung. Inzwischen hat Anni bereits mehr als zwölf Folgen gesendet – anfangs noch mit Kollegen des Campusradio, inzwischen auch mit komplett Fremden.

Das Freundebuch

Doch worüber spricht man mit Leuten, die man zuvor noch nie getroffen hat? Immer im Radio-Studio bereit liegt das „Freundebuch“ als kleine Hilfestellung, das Anni noch aus ihrer eigenen Schulzeit aufbewahrt hat. Mit den typischen Kennlern-Fragen wie „Was sind deine Hobbys?“ oder „Was machst du beruflich?“ steigt sie in das Gespräch ein und versucht, ihre Gäste dadurch näher kennenzulernen. Dabei ergeben sich dann Gespräche über das Kochen oder etwa das Peter Pan-Tattoo eines Gastes. Alles ganz spontan und ohne Vorbereitung. Dabei hilft auch die Philosophie des Campusradios, ungewöhnliche Sendeinhalte und journalistische Experimente zuzulassen: „Man kann sich halt total ausprobieren. Wir dürfen eben Musik spielen, die wir möchten, und Themen besprechen, über die wir reden möchten. Ich mag diese Authentizität“ , sagt Anni mit strahlenden Augen.

Oh my god, you messed up!

Das Konzept von „Anni sucht Freunde“ hat sich bisher bewährt. Denn jedes Mal kommt eine völlig andere Sendung dabei raus: Jeder hört unterschiedliche Musik und jeder Gast hat eine andere Persönlichkeit. „Es ist total interessant, weil man keine Ahnung hat, worauf man sich eigentlich da einlässt. Und bisher hat es immer geklappt“, schwärmt Anni. Dass natürlich nicht immer alles hundert Prozent glatt läuft, sei es aufgrund eines technischen Panne oder eines lustigen Versprechers, macht aber den Charme ihrer Radiosendung aus. Vor kurzem wurde Anni vor die Herausforderung gestellt, fast die gesamte Sendung auf Englisch zu moderieren: Majdi Al-Jabri, der ursprünglich aus dem Jemen kommt, war ihrem Aufruf in einer Facebook-Gruppe gefolgt und hat sich als Gesprächspartner bei Anni gemeldet. Majdi kann noch nicht gut Deutsch sprechen, da er erst seit rund vier Monaten in Deutschland lebt. Englisch live on Air zu sprechen, war für Anni ganz eine neue Herausforderung. „Ich fand, das hat gut geklappt“, sagt Anni. Einmal sprach sie aber aus Versehen viel zu laut ins Mikrofon. „Majdi hat sich auch total erschrocken und sagte ‚Oh my god, you messed up!‘“, sagt Anni und lacht. Doch sie findet es wichtig, dem Hörer gegenüber offen zuzugegeben, wenn mal gerade etwas nicht rund läuft.

Keine Scheu

Es ist genau diese Offenheit, die Anni besonders liegt: „Meine Eltern haben schon immer gesagt, dass ich früher am Strand immer nicht unauffindbar war, weil ich bei anderen Kindern beim Sandburgenbauen war. Ich glaube, dass das irgendwie in mir drin ist, ohne Scheu auf Menschen zuzugehen.“ Bereits während der Schulzeit entwickelte sie den Wunsch, später zum Radio zu sehen. Nach dem Abitur 2012 machte sie rund ein Jahr lang Praktika bei verschiedenen Radiosendern. Letztlich traf sie die Entscheidung, Pädagogik und Soziologie an der Uni zu studieren und nebenbei direkt beim Campusradio einzusteigen. Seit ungefähr einem Jahr sendet sie nun selber und merkt, wie sehr sie beim Radio aufblüht und dass die Sendung auch ihren Gästen einfach Spaß bringt. „Bisher waren es immer zwei Stunden, in denen wir gute Musik hören, ein bisschen quatschen und uns teilweise auch echt gut kennenzulernen“. Mit Majdi trifft sie sich bald privat auf einen Kaffee. Und hofft auf viele weitere Gäste, die vielleicht sogar zu richtigen Freunden werden.

Wer Lust also hat, mal ins Radio reinzuschnuppern und Anni kennenzulernen, kann sich gerne per E-Mail oder per Facebook bei Anni melden. Denn Anni sucht Freunde. (ea)

E-Mail-Adresse campusradiokiel@gmail.com

Facebook-Seite https://de-de.facebook.com/AnnisuchtFreunde/.