An einem Strang ziehen – Mitarbeiter des Lebenshilfewerks helfen dem Nabu bei der Biotop-Pflege in Preetz

Nils Wen (v.re.), Sharon-Lee Frank und Micha Ehrig halfen den Aktiven des Nabu-Preetz-Probstei, den offenen Charakter der Weidelandschaft zu erhalten und die Verbuschung zu verhindern. Foto: hop

Preetz. Bei Nieselregen und aufkommendem Wind packten Menschen mit geistiger Beeinträchtigung vergangene Woche beherzt mit an: Sie halfen bei einer Maßnahme zur Biotop-Pflege in der Preetzer Postseefeldmark.

Die städtische Fläche gehört zu einer halboffenen Weidelandschaft, auf der ganzjährig Robustrinder für den langfristigen Erhalt der biologischen Vielfalt sorgen. Hinter zwei Teichen springen Rehe querfeldein, die Kraniche fangen schon an zu balzen. Gemeinsam mit Frauke Anders-Gehrke und Gerhard Depner vom Nabu-Preetz-Probstei und Stadt-Gärtnermeister Stephan Jarmatz ziehen sich die Mitarbeiter der Preetzer Werkstätten des Lebenshilfewerks Kreis Plön dicke Arbeitshandschuhe über. Über die Fläche verstreut liegt bereits gefällter Weißdorn und soll nun zu großen Haufen zusammengetragen werden, damit er später verbrannt werden kann.

Weißdorn besitzt lange Stacheln, die sich in Kleidung und Haaren verfangen, da gehört robuste Kleidung mit dicken Handschuhen zur richtigen Ausrüstung. „Und wir sind ja auch nicht aus Zucker“, sagt Sharon-Lee Frank, als der Regen einsetzt. Die junge Frau besuche gemeinsam mit Nils Wen, Julien Neek und Micha Ehrig eine Gartengruppe als begleitende Maßnahme der Lebenshilfe, erklärt Betreuerin Ina Arp. Hier sollen sie Erfahrungen sammeln und bestimmte Fähigkeiten wie Konzentration erlernen. Die Idee, dem Nabu zu helfen, hatte Micha Ehrig, als er einen Zeitungsartikel über Pflegemaßnahmen ausschnitt. Kurzerhand boten die jungen Leute ihre Hilfe an. Da die Fläche bis vor 13 Jahren Ackerland war, konnte sich der Weißdorn aufgrund des lockeren Bodens hier besonders gut ausbreiten. Die Galloways beißen nur neue Triebe und Spitzen ab, ab Bauchhöhe schmeckt er ihnen nicht mehr. „Wir wollen die starken Verbuschungstendenzen und die absehbare Bildung eines geschlossenen Gehölzbestandes verhindern, um der Artenverarmung entgegenzuwirken“, sagt Gerhard Depner.

Braunkehlchen, Schwarzkehlchen und Feldlerche bräuchten Freiflächen ebenso wie Wiesen-Flockenblume, Echtes Tausendgüldenkraut, Pfennigkraut und Roter Zahntrost. Die ausgekofferten Teiche dürfen nicht zuwuchern, damit sich das Wasser schneller erwärmen und Lebensraum für Libellen und viele seltene Frosch- und Krötenarten bieten kann. Die Nabu-Mitarbeiter sind glücklich über die tatkräftige Unterstützung. Sie seien nicht mehr die Jüngsten, und einige von ihnen hätten nach der letzten Aktion „Rücken“ und „Knie“ gehabt, so Anders-Gehrke schmunzelnd.

Die Aufgabe der Stadt ist der Schnitt, für die Beseitigung des Weißdorns ist der Nabu zuständig. Mit Schwung werfen die Vier aus den Preetzer Werkstätten das stachelige Gestrüpp übereinander. „Das macht Spaß und ist mal was anderes“, freuen sie sich. Einige Weißdorn-Bäumchen werden stehengelassen. Der Neuntöter – Indikator für eine intakte Natur – spießt gerne Insekten auf Dornen auf und legt seine Nester in Dornsträuchern an. hop