Alte Mu wird müllfreie Gemeinschaft

So könnte der Hinterhof der Alten Mu schon bald aussehen: üppiges Grün, ein Küchengarten und Platz für das Wirken der unterschiedlichen Akteure. FOTO: CAROLINE HARKE

Kiel. Die „Alte Mu“ mit über 61 Projekten und Initiativen, Start-Ups, Werkstätten und Permakultur, möchte in Zukunft auf geschlossene Kreisläufe bauen. Das wurde zusammen mit dem Zero Waste Kiel erarbeitet.

In fünf Arbeitsgruppen wurden Anfang November die wichtigsten Themen in Bezug auf Müllvermeidung diskutiert, mögliche Ziele erarbeitet und Ergebnisse präsentiert. Die Arbeitsgruppen wurden zuvor in sechsmonatiger Vorbereitung vom Zero Waste Kiel erarbeitet, mögliche Lösungen recherchiert und beim Visionstreffen angeleitet.

So soll in Zukunft auf dem Gelände der Alten Kunsthochschule die Infrastruktur geschaffen werden, um Zero Waste Kreisläufe möglich zu machen und Besucher der Alten Mu mit einzubinden. Auch Veranstaltungen sollen weitestgehend müllfrei durchgeführt werden.

Von Besuchern mitgebrachte Flaschen sollen in Zukunft konsequent am Eingang abgegeben und auf Einweg-Party-Utensilien wie Plastik-Halme verzichtet werden, indem Pfand auf Mehrweg-Utensilien genommen wird. So soll es auch einen Kreativ-Tag zum Thema Zero Waste geben, um zu testen, wie das Konzept bei den Besuchern angenommen wird. Außerdem will sich die Alte Mu darüber einig werden, welche nachhaltigen Materialien in Zukunft auf dem Gelände verbindlich genutzt werden können. Der Einkauf und die Versorgung der einzelnen Büros und Werkstätten sollen nach Möglichkeit zentralisiert werden und ein besonderes Augenmerk auf die nachhaltige Erzeugung und unverpackte Ware gelegt werden. In Planung ist auch ein „Wertstoff-Café“, das als Lernort und zur Umverteilung von Wertstoffen dienen soll. Der Papiermüll und Gelbe Tonnen sollen so im ersten Schritt auf bis zu 50 Prozent reduziert werden, Restmüll möchte die Alte Mu möglichst komplett vermeiden, sucht hier noch nach geeigneten Lösungen, und setzt vor allem auf kreative Ansätze und spielerisches Lernen. Weniger Müll, der in der Müllverbrennungsanlage landet, ist das Ziel, aber auch vor Ort soll in Zukunft auf offene Feuer weitestgehend verzichtet werden, denn zu oft verbrennt hier auch Müll, vor allem die hochgiftigen Zigarettenstummel.

Von Anfang an gegen Müll

Seit Bestehen stellt die Alte Mu Raum für Initiativen zur Verfügung, die sich um Müllvermeidung bemühen. So gibt es hier eine offene Werkstatt, die „Werk statt Konsum“ und das Glückslokal: Als Vereinsmitglied können hier pro Besuch drei Teile mitgenommen werden. Es gibt Kleidung, Bücher und auch sonst alles, was das Herz begehrt. Vor Sach-Spenden kann sich das Glückslokal kaum retten. Das Konsumverhalten vieler Vereinsmitglieder hat sich geändert, seit sie im Glückslokal einen Zugriff auf den Überfluss der Gesellschaft bekommen. Hier möchte der Zero Waste Kiel anknüpfen.

Von einem ersten müllfreien Netzwerk kann zunächst der Stadtteil, aber auch der Rest der Stadt profitieren. Ganz müllfrei geht es so schnell natürlich nicht. Es gibt viel zu tun, bis die Mülltonnen komplett verschwinden können. Als einer der ersten Schritte soll ein Trinkwasserbrunnen aufgestellt werden, der auch für Gäste zugänglich ist.

„Das Visionstreffen hat uns gezeigt, dass wir unsere bisherige Definition von Nachhaltigkeit, im wesentlichen Bestandteil vertiefen müssen, nämlich Zero Waste in allen Arbeitsprozessen anzuwenden“, sagt Friederike Kopp, Vorstandsmitglied des Alte Mu Impuls-Werk. Besondere Freude äußert sie darüber, dass alle das Thema ernst genommen haben und die Lust, Dinge zu verändern in der Zusammenarbeit deutlich zu spüren war. Sie wünscht sich, dass die Arbeitsgruppen nun konkrete Ziele für diesen langen Prozess ausarbeiten.

Das Alte Mu Impuls-Werk hat noch Größeres vor: auf dem Gelände soll in Zukunft Wohnen ermöglicht werden. Es wäre damit auch das erste Wohnprojekt, das in Zero Waste Kreisläufen gedacht wird. Die Alte Mu gibt damit einen besonderen Impuls in die Stadt.

Wer sich die Situation vor Ort anschauen will, oder sogar mithelfen möchte, besucht das Alte Mu Impuls-Werk, Lorenzendamm 6-8, Kiel. Jeden ersten Dienstag im Monat trifft sich dort auch der Zero Waste Kiel ab 20 Uhr in der Thinkfarm.