Akademisches Wissen für Dörfer und Kleinstädte – Seit 100 Jahren bringt die SHUG akademisches Wissen

Das Logo der SHUG steht heute für deren Verbundenheit mit Schleswig-Holstein, dem Land zwischen Nord- und Ostsee.

Kiel. Die Schleswig-Holsteinische Universitäts-Gesellschaft (SHUG) versteht sich als „Brücke zwischen Universität und Land“. In Ihrem Auftrag reisen Dozenten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) zu Veranstaltungsorten im Land und berichten von ihrer Forschungsarbeit. In diesem Jahr feiert die SHUG ihren 100. Geburtstag. Am morgigen Donnerstag, 12. April, um 19 Uhr eröffnet in der Universitätsbibliothek eine Ausstellung zur Geschichte der SHUG.

Eigentlich ging es 1918 darum, den Platzmangel an der Kieler Universität zu beheben: Weil nach dem Ende des Ersten Weltkriegs mit einem starken Anstieg der Studentenzahlen zu rechnen war, sollte ein neues Seminargebäude entstehen – für dessen Bau aber kein Geld vorhanden war. Die „Schleswig-Holsteinische Universitäts-Gesellschaft“ sollte ursprünglich als Förderverein das nötige Geld beschaffen. Doch dazu kam es nie. Tatsächlich taucht die Bauförderung schon in der Gründungssatzung der SHUG nicht mehr auf. Stattdessen widmete sich die Gesellschaft der Unterstützung der Studenten: Die 1921 gegründete „Studentenhilfe“ war eine Vorläuferin des heutigen Studentenwerks. Die erste Mensa Deutschlands, damals in der Kieler „Seeburg“, war ein Ergebnis dieser Arbeit.

Großen Anteil an der Arbeit der SHUG hatte in diesen Jahren der Landwirt, Fabrikant und Brauereibesitzer Anton Schifferer, der 1923 der 1. Vorsitzende der SHUG wurde. Schifferer war bestens vernetzt und nutzte seine Kontakte zur Förderung der Gesellschaft. Er sah die SHUG auch als Chance für Völkerverständigung und initierte den ersten „Nordisch-Deutschen Universitätstag“, der mit hochrangigen Teilnehmern aus den skandinavischen Ländern ein großer Erfolg wurde. Schifferer schaffte es, das es gesellschaftlich zum guten Ton gehörte, Mitglied in der SHUG zu sein. In dieser Zeit organisierte die Gesellschaft die ersten externen Vorträge von Dozenten der CAU. Als sich 1933 die NSDAP auch in die SHUG drängte, trat Anton Schifferer zurück. Mit Kriegsende brach im März 1945 die SHUG komplett zusammen, doch schon im August 1945 entstanden die ersten Ortsgruppen neu – zunächst noch unter strenger Kontrolle der britischen Besatzungsmacht. Britische Offiziere waren es, die sprachlich aus den „Ortsgruppen“ der SHUG „Sections“ machten und aus dem 1. Vorsitzenden den „President“. Die SHUG deutschte diese Bezeichnungen wiederum ein, darum hat sie heute in Schleswig-Holstein rund 50 „Sektionen“ und einen „Präsidenten“ an der Spitze.

Anton Schifferer war eine prägende Figur in der Anfangszeit der SHUG.
Foto: Landesarchiv SH Abt. 399.70

Heute ist die Schleswig-Holsteinische Universitäts-Gesellschaft vor allem eine Vortragsgesellschaft, die akademisches Wissen zu den Leuten ins Land bringt. Das ist einzigartig in Deutschland. Die Sektionen mit ihren insgesamt rund 4500 Mitgliedern arbeiten sehr eigenständig, mache organisieren neben den Vorträgen auch Exkursionen oder andere Aktivitäten. Mit rund 450 Vorträgen im Jahr erreicht die SHUG etwa 20.000 interessierte Laien. Honorar bekommen die Vortragenden traditionell nicht. Sie arbeiten für eine warme Mahlzeit bei der veranstaltenden Sektion und können auf einen Fahrdienst zurückgreifen – die SHUG stellt ein Auto mit Chauffeur. Das Publikum der Vorträge ist altersmäßig überwiegend in der zweiten Lebenshälfte angekommen. Zusätzlich hat die SHUG 2008 das Programm „Uni kommt zur Schule“ ins Leben gerufen: Professoren gehen in die Schulen und halten zu MINT-Themen Vorträge vor Schülern der Klassen zehn bis 13.

Darüber hinaus vergibt die SHUG jährlich den Fakultätspreis der SHUG für herausragende Dissertationen und den „Professor Miethke-Förderpreis“ zur Förderung von fachlichem und forschendem Engagement außerhalb der Hochschule. Beide Förderpreise sind mit 3000 Euro dotiert.

Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag wird der Jubiläumsfestakt im Audimax der CAU am 8. Juni sein. kst

Weitere Informationen: www.shug.uni-kiel.de