775 Jahre Kiel zum Nachlesen

775 Jahre Kiel zum Lesen: Autor Oliver Auge mit dem neuen Buch "Kiel in der Geschichte". Foto emk

Kiel. Kiel als Fürstensitz, als Stadt der Skandale und als Wohnort: Das neue Buch „Kiel in der Geschichte“ fasst 775 Jahre in zwölf Aufsätze. Jeder ist einem Thema gewidmet, das vom Mittelalter bis zur Gegenwart erzählt wird. „Das Buch richtet sich an alle, die sich für die Geschichte ihrer Stadt interessieren“, sagt der Autor, Professor Oliver Auge. Die Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte hatte den Historiker gebeten, ein Buch zum Stadtjubiläum zu schreiben. Es sollte anders werden als die üblichen chronologischen Darstellungen. „Ein Grundlagenbuch zur Stadtgeschichte haben wir ja bereits zum 750-jährigen Jubiläum herausgegeben“, erklärt Vorsitzender Dr. Jürgen Jensen. Dem gewichtigen Band von damals hat Oliver Auge nun ein schlankes Buch zur Seite gestellt, das man zum Schmökern unterwegs in die Tasche stecken kann. Es ist nicht nur kurzweilig zu lesen, sondern bringt auch eine neue Dimension in die Kieler Geschichtsschreibung.

„Ich schlage quasi Schneisen durch die Stadtgeschichte, begleite jedes Thema durch die Jahrhunderte“, erklärt Oliver Auge. Der erste Aufsatz widmet sich beispielsweise Kiels Rolle als Hauptstadt. Die hat es zwar offiziell erst 1946 im neuen Bundesland Schleswig-Holstein übernommen. Doch Auge zeigt, dass Kiel schon im Mittelalter Hauptstadtfunktion hatte, etwa als Residenz der Schauenburger. Zugleich wird deutlich, dass es in Schleswig-Holstein von Anfang an mehrere Zentren gab, die unterschiedliche Aufgaben erfüllten.

Weitere Aufsätze schildern Kiel als Universitätsstadt, als Finanzplatz und als Ziel für Zuwanderer, fragen nach der Bedeutung der Marine und nach den Auswirkungen des Nationalsozialismus. Einem noch recht jungen Forschungsthema ist der achte Aufsatz über Kiel als Stadt der Skandale gewidmet. Er beginnt mit den politischen Skandalen der letzten Jahrzehnte und gelangt schließlich zur „Tragisch-kuriosen Kieler Chronik“ von Bürgermeister Asmus Bremer, die kleine und große Skandale von 1432 bis 1717 nacherzählt. Die kompakte Erzählform hilft Neulingen, sich in kurzer Zeit mit den wichtigsten Ereignissen der Stadtgeschichte vertraut zu machen. Wer sich schon länger mit Kiels Vergangenheit befasst, weiß zu ermessen, wie viel Arbeit in den 20 bis 30 Seiten umfassenden Texten steckt. Oliver Auge hat eine Fülle von Literatur verarbeitet, von der das Literaturverzeichnis die wesentlichsten Titel aufgenommen hat. Das ausführliche Register erlaubt, gezielt nach Stichworten, Personen, Orten und Straßennamen zu suchen.

„Mir ging es auch darum, ein Kiel-Bewusstsein zu schaffen“, sagt Auge. „Was macht Kiel aus, worauf kann man als Kieler stolz sein?“ Damit habe er die Erwartungen voll erfüllt, meint Jürgen Jensen: „Es ist wichtig, Kiels Geschichte immer wieder neu zu erzählen – gerade weil man vieles nicht mehr im Stadtbild sieht.“emk

Oliver Auge: Kiel in der Geschichte. Facetten einer Stadtbiografie. Wachholtz Verlag Kiel 2017. ISBN 978-3-529-05195-1, 19,90 Euro