50 Jahre Seeadlerschutz – Größter einheimischer Greifvogel nicht mehr vom Aussterben bedroht

Ein Altvogel mit Fisch auf dem Eis. Seeadler jagen an der Wasseroberfläche. Gern nehmen sie Brassen, Plötze, Karpfen und Hecht. Im Winter vermehrt auch Wasservögel und Aas. Foto: Sven-Erik Arndt

Eutin. Er ist mit einer Flügelspannweite bis zu 2,5 Metern der größte einheimische Greifvogel, liegt in der Luft wie ein Brett. Er jagt Fische, nimmt aber auch Niederwild, junge Gänse oder Kormorane. In freier Natur kann er bis zu 36 Jahre alt werden – wenn man ihn lässt. Die Rede ist vom Seeadler, dessen Schutz in Schleswig-Holstein seit 1968 beschlossene Sache ist. „Auf die Ergebnisse jetzt nach 50 Jahren können wir stolz sein“, sagt Günter Kalin von der Projektgruppe Seeadlerschutz mit Sitz in Eutin. In Zahlen heißt das: 2018 leben in Schleswig-Holstein 115 Revierpaare, davon sind 97 Brutpaare, 75 waren erfolgreich, es gibt 116 Jungvögel. „Die Kreise Plön, Ostholstein und Herzogtum Lauenburg sind am dichtesten besiedelt. Und erstmals brütet wieder ein Seeadlerpaar auf einer nordfriesischen Insel“, so Kalin.

Ende des 19. Jahrhunderts war der Seeadler in Schleswig-Holstein ausgerottet, in den 1940er-Jahren siedelten sich Einzelpaare an, um 1960 waren es neun. Aufgrund von Störungen an den Brutplätzen, durch Eierdiebstahl und eine hohe Giftbelastung der Nahrung drohte der Bestand jedoch zu erlöschen. Die Erkenntnis, dass der Seeadler im gesamten Ostseeraum gefährdet ist, veranlasst den WWF 1968, ein Programm zum Schutz des Seeadlers ins Leben zu rufen, das neben Natur- und Umweltschutzorganisationen auch Waldeigentümer und Jägerschaft mit ins Boot holt. Ziel der Projektgruppe: die Wiederbesiedlung im ehemaligen Verbreitungsgebiet, Aufbau und dauerhafte Sicherung stabiler Brutbestände. Kalin: „Zu den ersten Schutzmaßnahmen gehörten die Sperrung der Brutgebiete, die Horstbaum-Sicherung, Tag- und Nachtbewachung der Horste aus Wohnwagen heraus aber auch die künstliche Aufzucht und Auswilderung und die Luderung: das Auslegen von Innereien und Einschuss nach der Jagd, um dem Seeadler mit Nahrungsangebot über den Winter zu helfen.“ Im Nachhinein ein Fehler, so Kalin: „Damals wussten wir noch nicht, dass das mit den Kadavern aufgenommene Blei bei den Seeadlern zu schweren Vergiftungen führt.“ Eine andere Bedrohung ging von Insektengiften wie DDT aus, das die Eier dünnschalig macht und zu Brutausfällen führt. Erst das DDT-Verbot 1972 zusammen mit den eingeleiteten Schutzmaßnahmen lässt die Population seit den 1990er-Jahren kontinuierlich wachsen.

„Wir haben uns mit unseren Maßnahmen angepasst“, schildert Kalin die Situation heute, „nach wie vor richten wir Schutzzonen um die Neststandorte ein und betreuen die Brutreviere.“ Aber nicht mehr an jedem Horst stehe ein Wohnwagen mit Rund-um-die-Uhr-Bewachung. Sehr wichtig sei die enge Abstimmung bei forstwirtschaftlichen und jagdlichen Eingriffen in den Schutzzonen und die Sicherung der Brut- und Nahrungbiotope: Der Seeadler bevorzugt die Rotbuche als Horstbaum und braucht größere Wasserflächen. Ein weiterer Punkt ist die gezielte Besucherlenkung, mit der man einem Bedürfnis nachkomme: An öffentlichen Beobachtungsstationen können Neugierige den imposanten Vogel mit dem Spektiv in der freien Natur beobachten.

Ist denn angesichts der erfreulichen Zahlen ein Schutz überhaupt noch nötig? Mit der Zunahme der Population steige leider auch die Zahl der Todfunde. Durch Umweltgifte wie Blei aber auch durch Stromleitungen, Windenergieanlagen oder den Schienenverkehr kommen Tiere zu Tode. Kalin: „Er ist nicht mehr vom Aussterben bedroht, aber die Obergrenze der Populationsdichte soll der Adler selbst festlegen.“

Wie man die Projektgruppe Seeadlerschutz unterstützen und fördern kann und viele weitere Informationen im Internet unter www.ProjektgruppeSeeadlerschutz.de